Bieler Nachtmarathon 2014

Start zum Bieler Nachtmarathon Nach einigem Hin und Her, habe ich mich schlussendlich doch dazu entschlossen, am Bieler Nachtmarathon zu starten. Knappe 630 Kilometer habe ich in die ca. 2 Monatige Vorbereitung gesteckt, dabei aber auf intensive Intervalltrainings verzichtet. Für mein Minimalziel, eine Zeit unter 4 Stunden, sollte das ausreichend sein. Zusammen mit Marianne und Andi machte ich mich auf den Weg nach Biel, vorher brachten wir aber noch die Autos von Marianne und mir an den Zielort, damit wir anschliessend rasch und ohne erst wieder mit dem Shuttle Bus nach Biel zurückfahren zu müssen, nachhause gehen können. In Biel angekommen herrschte bereits reges Treiben und es viel mir auf, dass dieser Wettkampf ein wenig anders ist als die übrigen, an denen ich bisher am Start gestanden bin. Erlebnislauf, Halbmarathon und Marathon sind in Biel nur Beilage, denn die Königsdisziplin ist klar der 100 Kilometer Ultralauf. Den 1346 gemeldeten 100 Kilometer Teilnehmern, standen nur gerade 171 Marathonis gegenüber, was in mir ganz unterschwellig den Gedanken an einen Laufanfänger aufkommen liess. Damit ich aber überhaupt erst starten konnte, musste ich mich noch nachmelden und meine Startnummer abholen, was allerdings problemlos klappte. Auf dem Weg zum Transportwagen, der unsere Utensilien nach Oberramsern, dem Marathonziel bringen sollte, habe ich noch einige Bekannte Läufer und Läuferinnen getroffen und immer wieder kurz geplaudert, die Stimmung war ausgezeichnet und ich freute mich auf den Start. Marianne und Andi wollten unbedingt noch ein wenig Einlaufen, obwohl mir, bei dem warmen Wetter, eigentlich schon warm genug war. Ich hechelte ihnen 10 Minuten hinterher, dann machten wir uns auf den Weg zum Start, denn wir wollten den Start des 100 Kilometer Feldes nicht verpassen. Um 22 Uhr wurden sie auf ihren langen Weg geschickt und ich staunte über die Gestalten, welche sich so eine unglaubliche Leistung zutrauten. Bei manchen hätte ich gesagt, versuch es doch erstmal mit 4 – 5 Kilometern gehen und nicht 100 Kilometern Laufen. Um 22:15 Uhr waren dann wir an der Reihe. Zusammen mit den Erlebnisläufern, den Walkern und den Halbmarathonis, liefen wir in die Nacht hinein. Die ersten 10 Kilometer immer mit Schlaufen durch die Stadt Biel, wo es schwül und drückend warm war. Die Beine fühlten sich gut an und das Tempo, von etwa einer 5:15er Pace, passte auch. Es war noch viel los in Biel. Viele schauten sich in den Bars und Restaurants das WM Fussballspiel, Holland gegen Spanien an und wir bekamen während dem Laufen mit, dass die Spanier von den Holländern eine ganz gehörige Ohrfeige verpasst bekamen. Was ich übrigens ganz gut finde. Nach 10 Kilometern ging es erstmals richtig Aufwärts nach Bellmund und da änderte sich für mich einiges, denn ich bekam ganz unvermittelt Bauchkrämpfe und zwar heftige. Nach und nach vergingen sie, kamen aber rasch wieder so heftig zurück, dass ich beinahe stehenbleiben musste. Marianne und Andi konnte ich kaum noch folgen und so war ich froh, als es nach Bellmund endlich wieder rasant abwärts ging und ich sie wieder einholen konnte. Die beiden kümmerten sich gut um mich, schauten immer zurück und fragten wie es mir gehe, ich brummelte meistens nur irgendetwas vor mich hin, hatte zu kämpfen und mir war gar nicht mehr nach Plaudern. Kurz vor Aarberg klagte dann Marianne über Übelkeit und nach Aarberg hat sie uns sogar aufgefordert unser Tempo zu laufen und sie alleine zu lassen, was für uns aber kein Thema war. Andi, weil er schon am Start gesagt hatte, dass er bis ins Ziel bei Marianne bleiben werde und ich, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, ob ich den Marathon überhaupt schaffen würde. Die Nacht war herrlich, der Vollmond hat uns den Weg so erhellt, dass ich meine Stirnlampe gar nicht einschalten musste. Bei Kilometer 25 begann ich definitiv zu zweifeln, es ging mir überhaupt nicht mehr gut und während den nächsten 5 Kilometern musste ich des Öfteren, schmerzgeplagt, gehen. Bei der nächsten Verpflegungsstelle habe ich mir etwas mehr Zeit genommen und gezielt nach Cola gefragt und auch bekommen. Die Cola half mir nach und nach wieder auf die Beine, so dass ich Kilometer 31 schon wieder in einer guten Pace von 4:59 laufen konnte. Es ging nun immer leicht auf und ab, das Tempo konnte ich jedoch hoch halten und ich überholte massenweise 100 Kilometer Läufer, die zum grössten Teil vom Laufen zum gehen übergegangen waren. Ich kam dem Ziel immer näher. 10 Kilometer konnte ich das Tempo in einer Durchschnittspace von 5:09 halten, was ich unter diesen Umständen doch als ganz bemerkenswert empfand. Mit der 100 prozentigen Sicherheit, dass ich mein Minimalziel auf den letzten zwei Kilometern auch gehend schaffen würde, nahm ich das Tempo raus und joggte so locker wie es noch ging dem Ziel entgegen. Vielleicht wurde ich aber auch langsamer, weil ich total Ziel, Bieler Nachtmarathon ausgebrannt war und einfach nicht mehr konnte. Die Ziellinie überquerte ich mit einer Zeit von 3:52:21 auf dem 5. Kategorierang, von insgesamt 20. Overall belege ich den Rang 25, von Total 117 Marathon Läufern. Glücklich lies ich mir die Medaille umhängen, danach war ich dem Zusammenbruch nahe und musste mich hinsetzen, was mir nach einem Marathon noch nie passiert ist. Mir war hundeelend, wurde von weiteren Bauchkrämpfen geschüttelt und hatte einen starken Brechreiz. Marianne und Andi erreichten das Ziel 7 Minuten später als ich und waren damit immer noch wie gewünscht unter 4 Stunden durchgekommen. Wir zogen uns trockene und etwas wärmere Kleider an, danach machten wir uns auf den Heimweg. Weit kam ich nicht, denn ich musste mir schneller als erwartet einen Busch suchen, weil ich nun Durchfall hatte und ich es nicht mehr bis nachhause geschafft hätte. Zuhause angekommen ging das Theater weiter und es wurde noch schlimmer, denn zu allem Übel musste ich mich mehrmals übergeben, bevor ich mich vor Erschöpfung schüttelnd unter die Dusche stellen konnte um anschliessend totmüde ins Bett zu fallen. Ein unglaublich harter Marathon war das und bei aller Liebe zum Laufsport, ist es für mich unvorstellbar, weiter als 42.2 Kilometer zu Laufen. Ultraläufer werde ich wohl nie!

Laufstrecke: GarminConnect
42.2 Km, Wettkampf, 5:29/Km, Zeit: 03:52:21, Puls-Ø: 164

10 Kommentare zu Bieler Nachtmarathon 2014

  • Hallo Hugo,
    oh weh, welch ein Lauferlebnis! Ich hatte schon heute Morgen die vorläufige Ergebnisliste geschaut und sah an Euren Zeiten, dass es irgendwie nicht so geklappt hatte. Was Du erleben musstest, war schon heftig. Aber ganz groß – Du hast durchgehalten! Klasse, herzliche Glückwünsche! :klatsch:
    Was kann denn dir Ursache Deiner Pein sein? 🙁
    Hattest Du etwas gegessen, das Dir nicht bekam? War es evtl. die Uhrzeit? Nun ja, abhaken. Wahrscheinlich kommt so etwas einfach mal vor. Der nächste Lauf wird besser!
    Liebe Grüße und gute Erholung!
    Elke

    • Hallo Elke,
      ein solches Lauferlebnis hatte ich bisher noch nie, so gesehen gibt es immer wieder neue Erfahrungen. Kilometer 25 bis 30 waren die schlimmsten, da wusste ich zeitweise nicht ob es gut ist, weiter zu machen. Das ich dann noch 10 Kilometer in gutem Tempo habe laufen können erstaunte mich sehr. Danach ging es mir aber so schlecht wie noch nie, nach einem Wettkampf.
      Was die Ursache sein könnte, kann ich nicht schlüssig beantworten, es waren ja einige, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. Ungewöhnliches habe ich vor dem Wettkampf nicht gegessen, so gesehen denke ich, dass es wohl die warme Nacht war, die mir so zugesetzt hat.
      Vielen Dank für die guten Wünsche und ja, ich bin mir sicher, dass es beim nächsten Mal wieder besser klappt.
      Liebe Grüsse
      Hugo

  • Hej Hugo
    Diesmal war es wirklich fast zum K… mit Dir 😮 , aber Du hast wieder mal gezeigt, dass Du fertig bringst, was Du beginnst. Gratuliere, und tut mir mega leid mit dem Bauch. Du warst aber in guter Gesellschaft, massenweise gab es offenbar dieses Phänomen, ich denke, die Hitze hat da dem Kreislauf ganz schön mitgespielt. Dass Du am Schluss einem Reh gleich in der Nacht entschwunden bist, hat mich aber nur zuerst gewundert, wir kennen ja Deine Energien.
    Mir hat es super gefallen, eeeeendlich wieder mal zusammen zu laufen, und ich hoffe, Du erholst Dich gut. Alles Gute, beste Erholung für Darm und Beine und liebe Grüsse, Andi

    • Hej Andi,
      für mich war das ein überaus harter Marathon, dabei war doch das Ziel, dass es ein lockerer Lauf werden sollte. Ich denke auch, dass mir die ungewöhnlich warme Nacht zu schaffen machte, anders lässt sich ja sonst nicht erklären, dass so viele andere Läufer auch damit zu kämpfen hatten. Der Schluss ist mir unerklärlich gut gelungen, das hätte ich so nicht mehr für möglich gehalten aber nachdem ich einen angenehmen Schritt gefunden hatte, musste ich es einfach laufen lassen. Schade, dass wir im Ziel nicht länger haben feiern und geniessen können aber mir war so übel, ich musste so rasch wie möglich nachhause kommen. Die Heimfahrt war abenteuerlich und ich war heilfroh, als ich endlich zuhause war.
      Vielen Dank für die guten Wünsche und hoffentlich klappt das gemeinsame Laufen bald wieder.
      Liebe Grüsse
      Hugo

  • Erstmal Glückwunsch zu einer Marathonzeit, die ich nie erreichen werde, und die Du unter diesen gesundheitlichen Umständen gelaufen bist.

    Also ich würde zwar auch keine 100 km laufen wollen. Aber es ist vom Tempo natürlich eine Ecke entspannter und mit der richtigen Einstellung und Einteilung dürftest Du das auch können.

    Darf ich mal fragen? Was ist überhaupt aus Deiner Rheumavermutung herausgekommen?

    LG Volker

    • Danke Volker!
      Die Einstellung wird es sein, wenn ich mir 50 Kilometer vornehme würde, dann würde ich diese ziemlich sicher auch schaffen, nur, bis jetzt war ich nach 42.2 Kilometern immer froh, stehenbleiben zu können.
      Den nächsten Termin beim Arzt ist erst am 24. Juni, von daher kann ich noch nicht schlüssig sagen, was jetzt mit dem Rheumaverdacht ist. Das Resultat der Blutuntersuchungen wurde mir bis auf einen Wert bereits mitgeteilt und die waren alle negativ. Es sieht also ganz danach aus, dass es nicht Rheuma ist, was natürlich erfreulich wäre aber Schmerzen habe ich ja trotzdem immer noch. Naja, so lange ich nur in flachem Gelände laufe, ist das ganze erträglich.
      Liebe Grüsse
      Hugo

  • Ei, ei, ei – Hugo – Du bist wirklich ein Kämpfer! Viele andere hätten schon längst aufgegeben. Das mit der warmen Nacht könnte natürlich schon auch ein Grund für Deine Übelkeit und die Magen-/Darmattacken sein. Man läuft ja sonst nie um 22.15 Uhr noch einen Marathon. Und auch eine 5:15er-Pace stellt bei der Streckenlänge in jedem Fall ein deutliche Belastung dar. Da kommt der Biorhythmus mit Sicherheit durcheinander.

    Aber gut – wieder um eine Erfahrung reicher, wenn auch keine schöne. 😉

    Nun erhol Dich gut! Bin schon gespannt, welcher Herausforderung Du Dich als nächstes wieder stellen wirst.

    Grüße aus Köln!
    Mario

    • Einen Wettkampf habe ich noch nie aufgegeben und das möchte ich wenn immer möglich auch weiter so halten. Meist geht es ja nicht den ganzen Wettkampf schlecht, es gibt auch wieder bessere Phasen und auf diese muss man einfach hoffen. Ja, die späte und ungewohnte Stunde, dazu die Hitze, waren wohl schon ein wenig viel für mich, eine zweifellos harte Erfahrung, die ich da machen musste.
      Ganz sicher werde ich im Oktober den München Marathon bestreiten, da bin ich sogar schon angemeldet. Was vorher noch kommt weiss ich nicht und habe noch keine konkreten Ziele.
      Viele Grüsse
      Hugo

  • Hallo Hugo
    Gratuliere zum Zieleinlauf. :klatsch:
    Ach wie ich dies doch nachempfinden kann. Auch ich habe noch eine Rechnung offen. Ich bin damals so eingebrochen, dass ich fast eine Stunde länger als du unterwegs war!
    Tolle Leistung!
    Gute Regeneration.

    Martin

    • Hallo Martin,
      herzlichen Dank 🙄
      Deine Story von Biel habe ich gelesen und während meinem Leiden, habe ich wirklich zeitweise an Dich gedacht 😉
      Ob ich die Rechnung in Biel noch ausgleichen werde, kann ich aber jetzt noch nicht sagen, vom Nachtlaufen habe ich vorerst genug. Obwohl es speziell war, könnte ich jetzt aber nicht mehr sagen wo wir durch gelaufen sind. Wenn ich eine Strecke am Tag laufe, dann kann ich sofort immer ganz genau erklären von wo nach wo ich gelaufen bin. So gesehen laufe ich viel lieber am Tag.
      Viele Grüsse
      Hugo

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